Körperakupunktur

Die Akupunktur (lateinisch acus: Nadel und punctio: ich steche) geht auf Erfahrungen der Chinesen aus dem 2. Jahrhundert vor Christus zurück. In den ersten Aufzeichnungen über Akupunktur wurden Nadeln aus Stein erwähnt. Die zu behandelnden Akupunkturpunkte können statt dem Stechen mit der Nadel auch mit Wärme behandelt werden. Dies wird Moxibustion genannt. Manchmal werden Akupunktur und Moxibustion auch kombiniert angewendet.

Die Körperakupunkturpunkte befinden sich auf Energieleitbahnen, den Meridianen, die wie ein Flusssystem den Körper bedecken und durchziehen. Über die Punkte kann auf diese Energiebahnen Einfluss genommen werden. Die Eigenschaften der jeweiligen Akupunkturpunkte sind sehr unterschiedlich und müssen bei der Behandlung von Beschwerden sehr individuell und gezielt abgestimmt und eingesetzt werden.
Die Energieleitbahnen und Meridiane können inzwischen über den Hautwiderstand gemessen und seit Versuchen im Jahr 2004 indirekt sichtbar gemacht werden. Prof. Dr. Popp, Dr. Klaus-Peter Schlebusch und Dr. Walburg Maric-Oehler et alt. haben hierzu Versuche mit Erwärmung der Meridianendpunkte gemacht. Nach Erwärmung kann die Wärmeverteilung im Bereich der Leitbahnen mit einer Infrarotkamera sichtbar gemacht werden.

Die älteste Sammlung chinesischer medizinischer Schriften findet sich im Inneren Klassiker des Gelben Kaisers (Huangdi Neijing) aus der Zeit zwischen 200 Jahre vor und nach Christus. In diesem Werk wurden 160 klassische Punkte beschrieben. In dem Buch Der Systematische Aku-Moxi-Klassiker (Zhenjiu jiayijing) von Huangfu Mi (215–282) werden bereits 349 Akupunkturpunkte und systematische Hinweise auf deren Wirkung beschrieben.

Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert fanden sich dann auch in Europa Hinweise auf die Akupunktur nämlich durch portugiesische Jesuiten in Briefen aus Japan über das Brennen mit Moxa und die Nadeltherapie.

In der neueren Zeit erfuhr China jedoch eine Abkehr von dieser traditionellen Behandlungsmethode, da es von den Errungenschaften Europas in der Medizin fasziniert war. Ende des 19. Jahrhunderts wurde von Herrschern der Mandschu-Dynastie im Zuge der Modernisierung ein Verbot der Akupunktur ausgesprochen. Auch in der Volksrepublik China wurde die Akupunktur zunächst verboten, um die gewünschte Umorientierung des Gesundheitssystems in Richtung eines wissenschaftlichen Fundaments zu fördern. Da China hierzu die ausgebildeten Mediziner fehlten erlaubte die kommunistische Partei dann wiederum das Praktizieren der TCM mit der Akupunktur als Bestandteil. Daher wurden etwa 500.000 TCM-Praktizierende ins staatliche Gesundheitssystem integriert.
Inzwischen wird die traditionell chinesische Medizin in China an Universitäten gelehrt. Auch in Deutschland wurden an der Privat-Universität Witten-Herdicke Anfänge unternommen, einen Studiengang TCM einzuführen.

Prof. Dr. Carl-Herman Hempen wurde 2011 nun von der ersten staatlichen Universität, der Technischen Universität in München, dazu berufen, einen Lehrstuhl für traditionell chinesische Medizin (TCM) einzurichten. Es ist ein fünfjähriges berufsbegleitendes Studium geplant. Als Voraussetzung gilt die ärztliche Approbation.